Ein Raum mit Ausstrahlung und Charme

Saniert und restauriert sind der große Saal und Nebenräume im Gemeindehaus Kronprinzenstraße. Bei der offiziellen Einweihung am 17. März beglückwünschte auch Superintendent Eberhard Kenntner die Erlöser-Kirchengemeinde.

Sein Grußwort im Wortlaut:

Liebe Schwestern und Brüder!
Zur Wiedereinweihung dieses wunderbaren Gemeindesaales im Gemeindehaus Kronprinzenstrasse gratuliere ich der Erlösergemeinde von ganzem Herzen! Es hat Mut und einen hohen Mitteleinsatz gekostet, diesem in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts „modernisierten“ Raum seine ursprüngliche Gestalt wiederzugeben. Und man sieht, es hat sich wirklich gelohnt. Dafür, dass sich diese Kraftanstrengung gelohnt hat, gibt es für mich mindestens drei Gründe.

1. Als dieser Gemeindesaal gebaut wurde, war das landesherrliche Kirchenregiment auf der absoluten Höhe seiner Macht. Der Preußenkönig als oberster evangelischer Kirchenherr bestimmte das kirchliche Leben über das Aussehen der Talare bis zum Inhalt der Agenden und Gesangbücher. Gleichzeitig hatte sich ausgehend von dem eigentlich zum reformierten Denken gehörenden presbyterial-synodalen Denken aber auch hier im Reinland das Selbstbewusstsein der Gemeinden immer stärker entwickelt. Gemeinde wurde als der eigentliche Ort kirchlichen Lebens und geradezu als Gegenüber zum mehr juristisch handelnden Kirchenregiment verstanden.
 
Der Bau eines solchen Raumes war daher mehr als nur eine architektonische Äußerung – es war zugleich Programm der damals stark wachsenden Godesberger Gemeinde und Ausdruck ihres Selbstbewusstseins. Dieses war kein Selbstzweck, sondern wie die vielen diakonischen und schulischen Gründungen  der damaligen Zeit zeigen, Ausdruck eines Gemeindeverständnisses, das den Auftrag, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein, ernst nahm. Auch in letzter Konsequenz, als es Jahrzehnte später galt, den Einfluss der nazitreuen Deutschen Christen hier in Godesberg abzuwehren und im Geist der bekennenden Kirche kirchlichen Widerstand gegen die braune Diktatur zu leisten.

Diese Geschichte ist auch mit diesem Raum verbunden, und ich freue mich, dass in einer Zeit, in der manche schon den Abgesang auf den kirchlichen Einfluss in unserem Land anstimmen wollen, die Erlösergemeinde ein ganz anderes Zeichen setzt und sich zur Ursprungsgestalt dieses Raumes und damit auch zu seinem Programm bekennt. Dieser Raum ist für mich so gesehen auch ein Stück Selbstverpflichtung der Gemeinde in gottvergessener Zeit. Wahrhaftig ein lohnendes Unterfangen!

2. Dieser Raum ist ästhetisch schön. Man kann sich in die Ausgewogenheit seiner Maße verlieben. Hier kann man ganzheitlich sein, ohne seine Zeit in diesem Raum auf bestimmte Funktionen reduzieren zu müssen. Die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts sahen das anders: Kirchliche Räume sollten funktional sein, am besten multifunktional. Der Altar am besten auch als Tischtennisplatte nutzbar, alles nüchtern und ohne Schnörkel.

Wir wissen heute, dass die damalige Architektur krank machen kann. Weil sie dem Wesen des Menschen nicht entspricht. Und schon gar nicht dem Glauben. Der praktische Theologe Rudolf Bohren hat dies als einer der ersten erkannt, als er in deutlicher Kritik zur herrschenden Meinung  1975 seine Prolegommena zur Praktischen Theologie unter dem Titel „Dass Gott schön werde“ als theologische Ästhetik konzipierte. Gemeindeaufbau in all seinen Spielarten muss, so Bohren, auch ästhetische Dimensionen berücksichtigen, wenn er denn geschieht im Geist des einen Gottes, der die Vollkommenheit und damit auch die Schönheit schlechthin ist. Die Wiederentdeckung des kirchlichen Raumes als einer eigenen Gestaltungsaufgabe besonders in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hat diese Grundeinsicht als Wiederentdeckung theologischer Ästhetik zu einer ökumenischen Grundüberzeugung heutiger praktischer Theologie werden lassen. Die Erlösergemeinde liegt mit der Renovierung dieses schönen Raumes also theologisch voll im Trend. Denn zweckmäßige kirchliche Räume dürfen nicht nur, sondern sie sollen auch schön sein. Und dieser Raum hier ist wunderschön.

Und 3. gab es seit Jahrzehnten im evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel keinen kirchlichen Gemeinderaum, in dem man größere überregionale Zusammenkünfte abhalten konnte. Die jährlichen gemeinsamen Pfarrkonvente aller drei Bonner Kirchenkreise z.B. fanden bisher im Wechsel im Gemeindezentrum Adelheidisstrasse in Beuel und im Haus der Kirche in Bonn statt; um wenigsten auch einmal in Godesberg tagen zu können, waren wir vor 2 Jahren zu Gast in der Ev. Akademie auf dem Heiderhof. Ab sofort können diese gemeinsamen Konvente nun auch hier in diesem Raum stattfinden. Die Erlösergemeinde hat damit nicht nur für die seit kurzem im Ev. Konvent Bad Godesberg zusammengeschlossenen Kirchengemeinden etwas Sinnvolles getan, sondern auch für unseren ganzen Kirchenkreis. Nicht zufällig wird die Frühjahrssynode am 5. Mai hier in diesem Raum tagen.

Darum danke ich als Superintendent im  Namen des Kreissynodalvorstandes dem Presbyterium der Erlösergemeinde herzlich für den Mut zu diesem großen Umbau und auch dafür, dass dieser ohne Zuschüsse des Kirchenkreises durchgeführt wurde.

Gott schenke, dass in und durch diesen Raum und alles, was in Gottes Geist hier geschieht, die Gemeinde Jesu Christi hier in Bad Godesberg und im ganzen Kirchenkreis wachsen möge und damit bleiben kann, was ihr Auftrag ist: Salz und Licht zu sein für die Welt.
Herzlichen  Glückwunsch zum gelungenen Werk!

Dr. Eberhard Kenntner   

 

Im aktuellen Gemeindebrief schreibt Pfarrer Norbert Waschk im Namen des Presbyteriums über das Projekt:

„Unser großes Projekt der Sanierung und Restaurierung des großen Saales und einiger Nebenräume im Gemeindehaus Kronprinzenstraße nähert sich seiner Vollendung. Dabei ist ein Raum (wieder-) entstanden, dessen Ausstrahlung, ja Charme unmittelbar spürbar wird, wenn man ihn betritt. In ihm wird auch ein Stück gemeinsamer evangelischer Tradition in Godesberg lebendig, die über die Grenzen der Erlöser-Kirchengemeinde hinausreicht und hinausreichen soll. Ein Beispiel dafür ist die konstituierende Sitzung des Evangelischen Konvents Bad Godesberg, die – als einzige Ausnahme – schon vor der Einweihung im noch nicht ganz fertigen Saal am 8. Februar stattgefunden hat. 

Mit der grundlegenden Sanierung ist ein gewaltiges Stück Arbeit geleistet worden – in erster Linie natürlich von den Bauleuten, aber genauso auch in der Vorbereitung und Durchführung vom Architekten, vom Planungsausschuss des Presbyteriums und vielen anderen Beteiligten. Sie, liebe Gemeindeglieder, haben das Projekt durch Ihre Spenden in Höhe von fast 40.000 Euro enorm unterstützt. Dafür sei auch an dieser Stelle allen Spendern sehr, sehr herzlich gedankt!

Bei der Einweihung am 17. März wird innerhalb eines musikalischen Rahmenprogramms Gelegenheit sein, nähere Informationen über Planung und Verlauf der Maßnahme, über Kosten und Ausstattung im Einzelnen zu erhalten und im Namen des Presbyteriums den Beteiligten Dank zu sagen. Während sich daran ab 18 Uhr ein kleiner Imbiss anschließt, besteht zugleich die Möglichkeit, den großen Saal sowie die ebenfalls sanierten Nebenräume näher in Augenschein zu nehmen und an einigen Stellen auch ein wenig hinter die Kulissen zu schauen. Es wäre sehr schön, wenn Sie bei der Einweihung unseres sich in alter Schönheit und in moderner Funktion darstellenden Gemeindesaales dabei sein könnten.“

 

 

 
 

 

gar /

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 15. Februar 2007