„Die Öffentlichkeit wachrütteln“
Die 13. Ausgabe fühlte dem Sozialstaat auf den Zahn. 80 Gäste aus den Feldern Politik, Kirche und Soziales beschäftigten sich auf der 13. Diakonischen Konferenz intensiv mit dem deutschen Sozialstaat und der Rolle von Kirche und Diakonie.
Im Kirchenraum der „Arche“ in Meckenheim plädierte Gastreferent Professor Dr. Franz Segbers in seinem Impulsvortrag dafür, dass die Wohlfahrtsverbände sich noch aktiver in das politische Geschehen einbringen sollen.
Was einst die Rolle der Wohlfahrtsverbände stärkte, wird aus Sicht von Professor Dr. Franz Segbers mittlerweile ausgenutzt: Das Subsidiaritätsprinzip. Also die Vergabe öffentlicher Aufgaben in die Verantwortung freier Träger. Das Ziel dieses Prinzips war ursprünglich die Vielfalt der Gesellschaft auch im Sozialen widerzuspiegeln. Heute nutze die öffentliche Hand ihren Spielraum bei der Vergabe von Aufgaben allerdings dazu, die Verbände unter Druck zu setzen, um die Kosten zu senken, so der Sozialethiker. Sein Appell:
„Je mehr die Verbände diesem Wettbewerbsregime ausgesetzt werden […] werden sie zu kooperativen Geiseln in einem ruinösen Wettbewerb, bei dem nicht die überleben sollen, die die besten Leistung bieten, sondern die diese am Kostengünstigsten anbieten können. Die Diakonie sollte […] mit allen frei-gemeinnützigen Sozialverbänden und zivilgesellschaftlichen Gruppen die Öffentlichkeit […] wachrütteln.“
Diese Worte nahmen die Teilnehmenden mit in ihre Arbeitsgruppen, in denen das große Thema praktisch angegangen wurde. So standen hier beispielsweise die Frühen Hilfen in der Region auf der Tagesordnung sowie die Situation der Sozialarbeit. In regen Diskussionen wurde deutlich, wie dringend diese Angebote vor Ort gebraucht werden und wie nötig dafür eine auskömmliche Finanzierung wäre. In seinem Schlusswort erinnerte Superintendent Dr. Eberhard Kenntner deshalb daran, dass jede und jeder Einzelne Einfluss nehmen kann, indem sie „die Kandidatinnen und Kandidaten sowie die Wahlprogramme darauf hin befragen, ob und wie die Frage der Verantwortung vor Gott und dem Nächsten noch eine Rolle spielt“.
Text und Foto: Andrea Hillebrand, Diakonisches Werk Bonn und Region / 07.03.2014
© 2015, Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel – Ekir.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung