Die KAJ betreut arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte junge Menschen

Wochentags, 7.15 Uhr, Frühstückszeit – das Telefon klingelt. A. (19 Jahre) ist am Handy. Er hat sich bis jetzt für eine anonyme Beratung bzw. für anonyme Gespräche bei der Kontaktstelle Arbeit und Jugend (KAJ) entschieden.

Das kann jeder, der dies wünscht. Er muss nur eine Telefonnummer, unter der er gut erreichbar ist, und seinen Vornamen angeben, um ansprechbar zu sein. A. hatte bereits am späten Vorabend angerufen, von etwas Ärger im Betrieb und ansonsten von seinem neuen Internetanschluss erzählt. Jetzt ist er es wieder und diesmal erfahre ich, dass das bißchen Ärger eine Abmahnung gewesen ist. Er soll seinem Chef bis spätestens heute schriftlich erklären, nie wieder Alkohol mit in den Betrieb zu bringen. Wenn er noch einmal erwischt würde, könne er mit einer Kündigung rechnen. Dabei ginge es ja nur um ein Fläschchen Bier. Und A. hat noch nichts unternommen. A. war zuvor fast ein Jahr arbeitslos und bekam keinen Ausbildungsplatz, da er keinen Schulabschluss vorweisen kann. Vor einigen Monaten hatte er eine Stelle als Betriebshelfer gefunden und verrichtete Lagerarbeiten und Botendienste.

Diese Situation ist typisch für die Mitarbeiter der KAJ. Da geht es häufig um wichtige Post vom Arbeitsamt oder Sozialamt, von der Staatsanwaltschaft, der Polizei oder dem Gericht. In anderen Fällen bekamen die Betroffenen Briefe vom Vermieter, ihrer Bank oder dem Chef.

Die Kontaktstelle Arbeit und Jugend (KAJ) wurde im März 1984 als Einrichtung der Jugendberufshilfe im Evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg (Evangelische Jugend) gegründet. Anlass war die damals wie heute drängende Problematik der Jugendarbeitslosigkeit. Dies geschah in einer Zeit, in der das gesellschaftliche Problem Arbeitslosigkeit auch zu einem der Rheinischen Landeskirche geworden war – mit den Nöten der betroffenen Menschen im Vordergrund.

Und so beschreiben die Mitarbeiter der KAJ ihre Arbeit:

Unsere Vorstellung war damals, Benachteiligten auf dem Arbeitsmarkt unsere Hilfe anzubieten. Hier wurde (und wird) Hilfe besonders benötigt. Wir haben dies mit arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten jungen Menschen in die Praxis umsetzen können.

Wer es noch nicht weiß: Beratung (Einzelfallhilfe) und Projektarbeit soll es sein. Wir arbeiten von einem pädagogischen Ansatz her. Dabei geht es darum, Defizite abzubauen. Dementsprechend steht im Mittelpunkt unserer Tätigkeit die persönliche Entwicklung der jeweiligen Betroffenen. Wir wollen ihm/ihr arbeitsweltbezogene (berufsbezogene) Informationen vermitteln und verständlich machen.

Einzelberatung bedeutet für uns: Hilfe bei allen Fragen des Arbeitslebens und der einhergehenden psychosozialen Situation zu geben, soweit wir dies können. Projektarbeit bedeutet für uns: Erproben und Üben von Arbeitsleben unter fachkundiger Anleitung in unserer Holzwerkstatt und Angeboten im Nähbereich. Das gemeinsame Auswerten und Zusammenfügen von Beratungsinhalten und Erfahrungen aus der Werkstattpraxis sollen Einstellungen und Kenntnisse der Teilnehmer verbessern. Für die Holzwerkstatt nehmen wir Arbeitsaufträge an, aus denen wir allen regelmäßig Teilnehmenden ein Taschengeld zahlen.

Wir sind keine übliche Beratungsstelle, zu der „man einfach hingeht“. Aufgrund der besonderen Bedingungen der Benachteiligung sprechen wir von uns aus Gruppen junger Menschen an, mit denen wir dann ein Programm verwirklichen. Dies kann auch in Kooperation mit anderen Einrichtungen als Projektpartner geschehen.

Trotzdem können uns einzelne Jugendliche ansprechen, die mit dem Arbeitsleben nicht zurechtkommen und keinen normalen Hauptschulabschluß haben oder bekommen werden. Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, einen Termin zu vereinbaren. Jedes Gespräch mit uns unterliegt der Vertraulichkeit und kann auch anonym geführt werden, so dass nicht mehr als nötig preisgegeben werden muss.

Näheres erfährt jede/r Interessierte unter der oben angegebenen Telefonnummer von Herrn Gunnemann oder Herrn Thur. Während unserer Abwesenheit steht auch ein Anrufbeantworter zur Verfügung.

KONTAKTSTELLE ARBEIT UND JUGEND (KAJ)
Jakobstraße 32
53879 EUSKIRCHEN
Telefon (02251) 55623

 

 

 
 

 

Euskirchen /

 

© 2015, Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel – Ekir.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

Geschrieben von Pressereferat BGV am 15. Februar 2002