Das Partnerschaftsabkommen ist unterzeichnet
Bischof Mothusi Jairos Letlhage (Gaborone, Botswana), der VEM-Repräsentant für Afrika, überreicht Juliane Wächter die unterzeichnete Partnerschaftsvereinbarung.
Foto: Wolfgang Thielmann
Die Partnerschaft zwischen der Rheinischen Kirche in Südafrika und dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel wird immer konkreter. Auf einem Festgottesdienst in Kapstadt unterzeichneten Repräsentanten beider Seiten jetzt die Partnerschaftsvereinbarung, die die Kreissynode und die Leitung der südafrikanischen Kirche schon vor einem Jahr beschlossen hatten. Erstmals hatte dazu eine neunköpfige Delegation unter Leitung von Skriba Pfarrer Gregor Weichsel (Euskirchen) und Juliane Wächter (Bad Godesberg), der deutschen Vorsitzenden der gemeinsamen Partnerschafts-Arbeitsgruppe, die Partnerkirche besucht. Zuvor hatte eine gemeinsame Arbeitsgruppe erste Projekte auf den Weg gebracht.

Austausch, Trauma-Therapie und ein Motto-Lied
Im kommenden Jahr soll es Trainingsprogramme zur Erkennung von Traumata, Neigung zum Suizid und zur Intervention in der Begleitung von Opfern sexualisierter Gewalt in Südafrika geben. Auf der Seite des Kirchenkreises ist Notfallseelsorger Pfarrer Albrecht Roebke beteiligt. Er gehörte zur Delegation. Beide Seiten wollen zudem Video- und andere Beiträge erstellen, die man in Gottesdiensten verwenden kann. Auch soll ein gemeinsamer Kalender entstehen, mit dem die Partner einander über ihr kirchliches Leben informieren. Für Pfarrpersonen und theologisch Interessierte werden Online-Austauschformate entwickelt. Zudem soll mithilfe eines Wettbewerbs ein Partnerschaftslied gekürt werden. Erstmals traf sich die Partnerschafts-Arbeitsgruppe während des Besuchs persönlich. Ein Jahr lang hatte sie sich nur online getroffen und konkrete Schritte vorbereitet.
Für die elf Gemeinden der Partnerkirche in Südafrika mit rund 2000 Mitgliedern hatte die Delegation des Kirchenkreises Flaschen mit Taufwasser aus dem Rhein, Kreuze aus Schwemmholz und Poster mit Bildern von Gotteshäusern des Kirchenkreises mitgebracht. Im Gottesdienst wurde ein Gruß von Superintendentin Claudia Müller-Bück per Video eingespielt.

Auf Augenhöhe unterwegs sein
Die rheinische Oberkirchenrätin Dr. Wibke Janssen (Düsseldorf) sprach sich im Gottesdienst für enge Beziehungen zwischen den Kirchen aus, die durch rheinische Missionare entstanden sind. Sie könnten der Kirche in Deutschland helfen, ihren Weg glaubwürdig zu gehen und Vorurteile durch rassistisches und kolonialistisches Denken zu überwinden, sagte sie. Die Theologin gehört zur Kirchenleitung und verantwortet im Düsseldorfer Landeskirchenamt die Abteilung für Theologie und Ökumene.
Der Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission, Dr. Andar Parlindungan (Wuppertal), entschuldigte sich bei der Kirche in Südafrika „für rassistisches und diskriminierendes Verhalten der deutschen Missionare gegenüber den einheimischen Vorfahren in Südafrika“. Jetzt gehe es um Versöhnung und den gemeinsamen Blick nach vorn. So könnten die Kirchen miteinander künftige Herausforderungen angehen: „Lasst uns einander ermutigen und auf Augenhöhe miteinander unterwegs sein.“ Der Präses der Rheinischen Kirche in Südafrika, Dr. Thomas Solomons (Kapstadt), sagte, die südafrikanische Kirche habe sich lange von ihren deutschen Ursprüngen abgehängt gefühlt. Doch sie habe in dieser Zeit gelernt, ihren Weg selbstständig und selbstbewusst zu gehen und neue Möglichkeiten zu entwickeln. Sie könne die Zusammenarbeit der Kirchen durch ihre Erfahrung bereichern.
Wie alles begann

Foto: privat
Die Rheinische Kirche in Südafrika entstand im 19. Jahrhundert aus der Arbeit der damaligen Rheinischen Mission (heute Vereinte Evangelische Mission = VEM). Zwischen den beiden Weltkriegen geriet die Rheinische Mission in Schwierigkeiten und gab Missionsgebiete auf, darunter die Gemeinden in Südafrika. Die Mission wollte die Gemeinden an die Niederländisch-Reformierte Kirche in Südafrika übertragen. Drei Gemeinden widersetzten sich der Übertragung, organisierten sich selbstständig und verzeichneten ein starkes Wachstum. Sie fühlten sich von der Kirchentradition ihrer Ursprünge verlassen. Vor rund 15 Jahren entstanden neue Kontakte nach Deutschland. 2019 feierte die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland deshalb eine Zeremonie der Erinnerung mit rheinischen Missionskirchen. Die südafrikanische Kirche wurde neu in die Vereinte Evangelische Mission aufgenommen. Zugleich entwickelte sich auf Initiative der Presbyterinnen Birgit Thielmann und Silke Graffmann aus Bonn-Mehlem die Partnerschaft zum Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel. Heute wird die Partnerschaft begleitet durch Pfarrer Helmut Müller, den Beauftragten des Regionalen Dienstes der VEM.

Wolfgang Thielmann, zur Zeit in Südafrika
Weitere Eindrücke von der Reise gibt es auf dem YouTube-Kanal des Jugendreferats:
www.youtube.com/@EvJugendBGV