Brücken ins Leben entwickeln

Vorsichtig streicht sie ihr das Öl erst auf die Stirn, dann auf die Hände. Kathrin Müller sitzt als Freiwillige auf einem Stuhl inmitten von 15 Männern und Frauen. Ein lila Tuch, Blumen und brennende Kerzen schaffen eine ruhige, einladende Atmosphäre. Um Salbung als ein mögliches christliches Ritual bei Lebensbrüchen geht es hier. Brüche und Krisen im […]

Vorsichtig streicht sie ihr das Öl erst auf die Stirn, dann auf die Hände. Kathrin Müller sitzt als Freiwillige auf einem Stuhl inmitten von 15 Männern und Frauen. Ein lila Tuch, Blumen und brennende Kerzen schaffen eine ruhige, einladende Atmosphäre.

Um Salbung als ein mögliches christliches Ritual bei Lebensbrüchen geht es hier. Brüche und Krisen im Leben waren das Schwerpunktthema der diesjährigen Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel am Freitagabend in der Heilandkirche Bonn-Mehlem.

„Handauflegen hilft, aber heilt nicht „, erklärt Elisabeth Hartmann ihrer Arbeitsgruppe. Die Religionspädagogin aus dem Bistum Essen berichtet von der Verwandlungskraft einer Salbung. Pfarrerin Müller schildert anschließend, es sei ein wunderbares Gefühl zu erleben, dass jemand einem etwas Gutes tut. Selbst die vielen Zuschauer um sich herum habe sie in diesem Moment vergessen.

An diesem Abend geht es vor allem ums Kennenlernen von solchen Ritualen und Seelsorge-Konzepten: „Wir brauchen Einführung und Ermutigung, um uns da heran zu trauen“, erklärt Superintendent Mathias Mölleken den Ansatz der Frühjahrssynode. Protestanten hätten zumeist wenig Erfahrung mit den vorgestellten Ritualen, die ganz bestimmte Orte und Räume bräuchten, um sie zu nutzen. „Wir wollen Brücken ins Leben entwickeln.“

Konfrontation hilft überwinden

„Wir sind eher für Risse und Brüche zuständig“, erklärte die Theologin Cornelia Richter, „denn in sonnigen Zeiten kommen die Menschen ohne uns klar“. In ihrem Einstiegsreferat erläuterte Bonner Professorin für Dogmatik die aktuelle Resilienzforschung. Das „Zauberwort“ bezeichnet die entgegen aller Erwartung zu leistende Adaptionsfähigkeit und Widerstandskraft. Einfacher ausgedrückt geht es darum, die eigene Angst und Ohnmacht wahrzunehmen, sich jedoch davon nicht überwältigen zu lassen. „Eine klare Diagnose bannt die Angst, die Konfrontation mit der Krise hilft überwinden“, so Richter. In der Gemeindepraxis seien praktische Hilfsangebote von enormer Bedeutung. „Sie zeigen, dass man für die Betroffenen da ist.“ Wichtig seien Räume, wo betroffene Menschen anerkannt sind. Wenn viele später sagen, sie seien an einer schwierigen Situation gewachsen, dürfe man dies allerdings nicht verallgemeinern. „Das kann jeder nur für sich selbst sagen.“

Im Anschluss trafen sich die mehr als 50 Abgeordneten und zahlreichen Gäste aus den 13 Kirchengemeinden aus Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und Euskirchen in fünf Arbeitsgruppen. Hier ging es um kirchliche Rituale bei Trennung und Scheidung, Armut in Folge von Lebensbrüchen, christliche Rituale für Menschen in Lebensbrüchen, Biographiearbeit sowie Seelsorge „zwischen Tür und Angel“. In der Kunst des Kurzgesprächs zeigte sich etwa, dass ein hilfreiches Gespräch nicht immer ganz lange dauern muss. Die Mitglieder des Frauen-Fachausschusses, der aktuell seit 25 Jahren besteht, haben die Tagung zusammen mit der Frauenbeauftragten Sabine Cornelissen vorbereitet.

Frieden ist unser Auftrag

In der Andacht zu Beginn der Tagung thematisierten die Mitglieder des vorbereitenden Frauen-Fachausschusses in kurzen Szenen die zahlreichen Problemlagen, die zu Brüchen und Rissen im Leben führen können. Dazu zählen Sinnverlust, Angst, Armut oder versagte Lebensträume. Thema war auch das Kriegsende in Deutschland vor 70 Jahren. Es ist Anlass, „uns erinnern zu lassen, dass Frieden unser Auftrag ist“, so Superintendent Mölleken. Aktuell gehöre dazu auch, die Flüchtlingsfrage im Augenmerk zu behalten. Jürgen Hein (Swisttal), bereits von 2008 bis 2014 Synodalbeauftragter für Ausländerarbeit, hat diese Aufgabe erneut übernommen. Die Synode hält diesen ehrenamtlichen Auftrag angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen und der erschütternden Schicksale vieler Flüchtlinge für unbedingt erforderlich. „Es ist mir ein Herzensanliegen diese Stelle zu übernehmen“, so Hein nach seiner Wahl.

500 Jahre Reformation wird groß gefeiert

 

Unter dem Motto „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ wollen die Protestanten das 500-jährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 evangelisch, ökumenisch und überregional feiern. Für den 31. Oktober ist eine große Abendveranstaltung an einem repräsentativen Ort wie dem Telekom-Dome in Bonn in Planung. Die Kreissynode begrüßte dieses Vorhaben einstimmig und beschloss dafür Rückstellungen von insgesamt bis zu 30.000 Euro.

Nachwahlen in kreiskirchliche Ausschüsse standen ebenfalls auf dem Programm der Tagung. In den Fachausschuss für Frauenfragen wählten die Synodalen Pfarrerin Gudrun Schlösser (Rheinbach) und Corinna Raitz von Frentz, (Euskirchen). Dem Ausschuss für Kinder und Jugend gehören neu an Britta Braun (Bad Münstereifel), Claudia Rosenberger (Heiland-Kirchengemeinde Bad Godesberg) und Felix Mors (Rheinbach). Stellvertretende Mitglieder werden Thomas Arend (Rheinbach) und Hanna Gnädig (Euskirchen). Pfarrerin Christina Fersing (Flamersheim) und Christiane Reiferscheid (Swisttal) wurden in den Ausschuss für Kirchenmusik gewählt. Flamersheim entsendet überdies Erwin Schmalkoke und Pfarrerin Christina Fersing (stellvertretend) in den Nominierungsausschuss, Walter Grote (stellvertretend) in den Finanzausschuss.

 
 

 

Uta Garbisch / 09.05.2015

© 2015, Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel – Ekir.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung