Ankommen in Deutschland
Kiarash Bagheriabhari (links) im Gespräch mit Michael Schönefeld. Foto: Kirchengemeinde
Beim Zuhör-Café in Wachtberg-Berkum staunen die Gäste am vergangenen Freitag nicht schlecht über die Zielstrebigkeit, mit der sich ein junger Iraner in seine neue Heimat integriert.
Im Jahr 2019 beantragen der 17-jährige Iraner Kiarash Bagheriabhari, seine Eltern und jüngere Schwester Asyl in Deutschland. Als konvertierte Christen ist die Familie im Iran der Verfolgung ausgesetzt. In den ersten Monaten des Asyl-Verfahrens darf Kiarash keine Schule besuchen. Er will jedoch unbedingt Deutsch sprechen und beginnt autodidaktisch die fremde Sprache zu lernen. Schließlich darf er eine Integrationsklasse in der Glasfachschule in Rheinbach besuchen, die er mit dem Realschulabschluss abschließt. Mit Genehmigung der Ausländerbehörde besucht er aktuell das Friedrich-List-Berufskolleg in Duisdorf und steht kurz vor dem Fachabitur.
In der Schule sind seine Mathe-Kenntnisse sehr gefragt; er gibt verschiedenen Schülern Nachhilfe. Die Wahl zum Klassensprecher gewinnt er mühelos. Nicht ganz so mühelos ist das Leben nach der Schule. Wer in einer fremden Sprache lernt, muss mehr Zeit und Energie investieren. Auf seine Bewerbungen für die Zeit nach dem Fachabitur hat Kiarash mehrere Zusagen erhalten. Es liegt jetzt an der Ausländerbehörde zu entscheiden, ob er ein duales Studium aufnehmen oder eine Lehre machen kann.
Die Zuhörer:innen sind tief beeindruckt von der gewählten Ausdrucksweise und exzellenten Sprachfähigkeit des jungen Mannes. Auf die Frage, woher ein junger Mann die Kraft nimmt, sich trotz des schwebenden Asylverfahrens zielstrebig weiterzubilden, kommt die klare Antwort: mein Glaube. Im Gottesdienst findet Kiarash die Ruhe und die Kraft, unbeeindruckt von den äußeren Schwierigkeiten, seine eignen Kräfte zu mobilisieren, um das Beste aus sich herauszuholen. Mehr kann eine Gesellschaft doch nicht wollen?
EB KG Wachtberg