Am letzten Freitag im Oktober Gottesdienste in allen Kirchengemeinden
Die evangelischen Kirchengemeinden laden am Freitag, 31. Oktober 2014, zu Reformationsgottesdiensten ein. Sie erinnern damit an den Beginn der Reformation vor fast 500 Jahren.
Der zentrale Reformationsgottesdienst der Bad Godesberger Kirchengemeinden und Wachtberg beginnt um 19 Uhr in der Erlöserkirche, Rüngsdorfer Straße. In diesem Jahr gestaltet die Thomas-Kirchengemeinde den Gottesdienst, den Pfarrer Oliver Ploch hält.
Der zentrale Reformationsgottesdienst in Swisttal beginnt um 19 Uhr in der Versöhnungskirche in Buschhoven, Vogtstraße, verbunden mit einer Kanzelrede zur Barmer Erklärung. Ebenfalls ab 19 Uhr feiert die Kirchengemeinde Rheinbach in der Kapelle in Merzbach, Weidenstraße 18. Die Kirchengemeinde Meckenheim feiert ihren Reformationsgottesdienst um 18 Uhr in der Friedenskirche, Markeeweg. Im Anschluss findet eine Gemeindeversammlung statt.
In Flamersheim beginnt der Reformationsgottesdienst um 18 Uhr in der Evangelischen Kirche, Euskirchen-Flamersheim, Pützgasse 7. Die Christus-Kirchengemeinde Zülpich feiert in der Christuskirche, Frankengraben 43, um 19 Uhr. Ebenfalls um 19 Uhr beginnen die Gottesdienste in Weilerswist in der Martin-Luther-Kirche, Martin-Luther-Straße, und in Bad Münstereifel in der Evangelischen Kirche, Langenhecke 33. Der Gottesdienst der Kirchengemeinde Euskirchen beginnt um 19.30 Uhr in der Evangelischen Kirche, Kölner Straße 41. Im Anschluss findet eine Gemeindeversammlung statt, die mit einem kleinen Imbiss und der Ehrung der Kantorin Friederike Heiwolt und des Küsters Michael Bork für ihre langjährige Mitarbeit in der Gemeinde ausklingt.
Stichwort Reformation
Am Reformationstag, alljährlich am 31. Oktober, erinnern die Protestanten weltweit an den Beginn der Reformation durch Martin Luther im Jahr 1517. In unserer Region aber spielen vor allem Martin Bucer und Philipp Melanchthon wichtige historische Rollen. Das Schlüsseljahr ist 1542, als Erzbischof und Kurfürst Hermann von Wied von katholischen Reformen auf die Seite der evangelischen Reformation wechselte. Er berief den Straßburger Reformator Martin Bucer und wenig später auch den engsten Weggefährten Luthers, Philipp Melanchthon, aus Wittenberg nach Bonn.
Reiche Ernte, wenig Arbeiter, viele Feinde
Philipp Melanchthon blieb drei Monate, Martin Bucer sogar ein dreiviertel Jahr am Rhein. Nach einem ersten Treffen mit Erzbischof Hermann im Februar in Buschhoven (Swisttal), erreichte Bucer die Stadt am 14. Dezember 1542 und predigte etwa ein dreiviertel Jahr regelmäßig im Bonner Münster. Dagegen protestierte das Kölner Domkapitel zunächst erfolgreich. Nach einer kurzen Pause nahm Bucer aber das Predigen wieder auf. Theologische Vorlesungen hielt er im Bonner Franziskanerkloster in der Brüdergasse. „Reiche Ernte, wenig Arbeiter, viele Feinde“, notierte Bucer damals.
Einfältiges Bedenken
Zu Ostern empfing Hermann von Wied das Abendmahl nach evangelischer Ordnung – mit Brot und Wein. In Köln hingegen wurden die Evangelisch Gesinnten der Stadt verwiesen. Viele fanden Zuflucht in Bonn, wo Anfang 1543 auch Melanchthon eingetroffen war. Hermann traf sich wieder auf Schloss Buschhoven, das er als erzbischöfliche Residenz nutze, mit den bekannten Reformatoren. Sie verfassten die auf Hermanns Befürworten einen Reformationsentwurf für das Erzbistum Köln. Auf dem Schloss erarbeiteten die beiden Theologen in wenigen Monaten die Programmschrift der Kölner Reformation, die in Bonn gedruckt wurde. Ihr Titel:„Einfaltiges Bedencken, worauff ein Christliche, in dem Wort Gottes gegrünte Reformation anzurichten seye“. Sie enthält eine Zusammenfassung der evangelischen Lehre sowie eine evangelische Gottesdienst- und Kirchenordnung.
Evangelische Predigt
Um die Mitte des Jahres 1543 war Bonn zu einem geistigen Mittelpunkt der protestantischen Bemühungen geworden. Man plante sogar, in einer Bonner Kirche eine Hochschule einzurichten. Die Franziskaner schlossen sich vollständig der Reformation an. Ihr Kloster wurde aufgelöst, die Mönche nahmen Predigerstellen in benachbarten Orten wie Oberkassel oder Buschhoven an. Bis 1547 bestand in Bonn eine evangelische Gemeinde mit mehreren Pfarrern. Evangelische Predigt gab es außerdem in Mehlem. Für 1545 ist ein evangelischer Prediger auf der Burg Flamersheim belegt.
Das Ende
Kaiser Karl V. beendete durch ein militärisches Eingreifen diesen Reformationsversuch, da er eine protestantische Mehrheit im Kurfürstenkollegium befürchtete. Erzbischof Hermann wurde vom Papst exkommuniziert und durch den Kaiser amtsenthoben.
Die beiden lutherischen Reformatoren mussten Bonn verlassen, Melanchthon kehrte nach Wittenberg zurück, Bucer ging nach England, wo die gemeinsame Reformationsschrift eine der Grundlagen des anglikanischen Gebetsbuchs wurde.
Protest als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt der Reformation weltweit sind die berühmten „95 Thesen“, mit denen der damalige Augustinermönch Martin Luther seinen theologischen und seelsorgerlichen Protest gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche äußerte. Durch den Verkauf der so genannten Ablassbriefe wollte diese damals vor allem Geld für den Bau des Petersdoms in Rom einnehmen.
Ob Luther seine Thesen tatsächlich an das Portal der Wittenberger Schloßkirche schlug, ist historisch nicht gesichert. Nageleinschläge im Tor zeugen aber bis heute von dem legendären Ereignis. Ein weiteres Anliegen Luthers war die Rückbesinnung auf das unverfälschte Wort der Bibel. Dafür übersetzte der Reformator die Heilige Schrift erstmals vollständig in die deutsche Sprache.
EB/gar / 22.10.2014
© 2015, Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel – Ekir.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung