25 Jahre Frauennetzwerk

Ortrun Althof (Foto: Ulrich Zumbusch).

Der synodale Fachausschuss für Frauenfragen feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum. Seine Vorsitzende Ortrun Althof blickt im Interview zurück und nach vorne.

Frauen haben viele Veränderungen bewirkt. Kann sich der Fachausschuss langsam zur Ruhe setzen?

Auf gar keinen Fall! Die innerkirchlichen Fachausschüsse für Frauenfragen haben tatsächlich in einem viertel Jahrhundert in der bis dato bestimmenden „Männerwelt“ sowohl in der gegenseitigen Wertschätzung als auch beim konkreten Miteinander in der alltäglichen Arbeit vieles bewirkt.

Traditionelle Positionen wurden hinterfragt, Frauen in ihrem Engagement bestärkt und die partnerschaftliche Gemeinschaft von Männern und Frauen nicht nur in kirchlichen Ämtern, sondern auch in den Gemeinden ist zunehmend selbstverständlicher geworden. Doch es ist ein weiter gehender Prozess, der nach wie vor viele neue Herausforderungen mit sich bringt.

Alte Themen, wie die Gewalt gegen Frauen oder ihre Benachteiligung in der Arbeitswelt, sind noch nicht vom Tisch. Die Verständigung und gute Zusammenarbeit mit Musliminnen zeigt erste Früchte. Aktuell geht es um die Situation von Flüchtlingsfrauen und –kindern.

Haben Sie selbst schon einmal/ in den letzten Jahren bei Kirche Diskriminierung als Frau erlebt?

Tatsächlich nur einmal – als ich mich 19-jährig zum Studium der Theologie entschloss und erfuhr, dass ich, falls ich heiraten sollte, das Amt einer Pfarrerin nicht mehr würde ausüben können. Dass diese Regelung mit Beginn der 70er Jahre in allen evangelischen Landeskirchen der Reihe nach gestrichen wurde, ist vor allem auch dem damaligen Engagement der Frauen zu verdanken. Später wurde ich im Rheinland als evangelische Religionslehrerin katholischerseits zunächst nicht wahrgenommen, doch das legte sich schnell. Längst arbeiten wir bei gemeinsamen Projekten vor Ort in den Gemeinden eng zusammen. Allerdings wird mir immer noch von neuen, manchmal versteckten Diskriminierungen berichtet, wenn betroffene Frauen Rat und Hilfe suchen.

Wie kann es gelingen, auch jüngere Frauen für die Arbeit des Fachausschusses zu gewinnen?

Was meinen Sie in diesem Zusammenhang mit „jünger“? Im Fachausschuss arbeiten wir seit jeher generationenübergreifend zusammen. Sie finden dort Frauen zwischen 40 und 70 Jahren, die alle an denselben Themen arbeiten. Mit Mitte 20 bis Mitte 30 sind zunächst andere Fragestellungen von Bedeutung, ob Ausbildung, der erste Job, Heirat oder Familiengründung. Das bindet viele Kapazitäten, es bleibt kaum noch Zeit für sich selber, geschweige denn ein Ehrenamt. Auch wir im Ausschuss sind oft Mehrfachbelastungen ausgesetzt.

Trotzdem engagieren wir uns und versuchen, ein offenes Ohr für aktuelle Probleme zu haben und darauf zu achten, wo immer Frauen, auch jüngere, Hilfe und Zuspruch brauchen und sie aktiv in die Überlegungen mit einzubeziehen. Wer einmal auf Missstände aufmerksam geworden ist; wer weiß, dass nur gegenseitige Unterstützung Veränderungen einleiten und Abhilfe schaffen kann, wird die Mitarbeit in einem Netzwerk nicht als zusätzlichen Stressfaktor, sondern eher als positive Verstärkung empfinden.

Der Fachausschuss als Kreis Ehrenamtlicher kann Anregungen – wie Arbeitspapiere und Handreichungen – an die Gemeinden und Presbyterien weitergeben, aber kaum im nötigen Umfang Angebote machen. Darum sind wir sehr froh um die Stelle der hauptamtlichen Frauenbeauftragten, die uns nicht nur unterstützt, sondern unsere Arbeit durch eigene Angebote voranbringt.

Vielen Dank!

Ortrun Althof ist pensionierte Lehrerin und lebt in Zülpich, wo sie sich als Presbyterin engagiert. Als stellvertretendes Mitglied gehört sie dem Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel an.

Aus Anlass des Jubiläums haben der Frauenfachausschuss und die Frauenbeauftragte die Frühjahrssynode 2015 zum Thema „Sei Quelle und Brot in Wüstennot – Lebenskrisen – Lebensbrüche“ vorbereitet. Dazu ist eine Ergebnissammlung erschienen. Sie enthält das Einstiegsreferat von Prof. Dr. Cornelia Richter mit dem Titel „Glaubensreflexion und Lebenskrisen: Was die Dogmatik für das Leben zu sagen hat“. Außerdem enthält die 46-seitige Broschüre die Ergebnisse der damaligen fünf Arbeitsgruppen und einen Ausblick.

Ein gedrucktes Exemplar ist erhältlich bei der Frauenbeauftragten Sabine Cornelissen, Fon 0228 – 30 787 14, Mail frauenbeauftragte-bgv@ekir.de.

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 17. Dezember 2015