Der Kinder gedenken

Am weltweiten Gedenktag für verstorbene Kinder am Sonntag, 11. Dezember, gibt es in Euskirchen einen ökumenischen Gottesdienst mit den Gospel Flames.

Der Tod eines Kindes tut weh. Eltern leiden, Geschwister leiden. „Es hatte doch sein ganzes Leben noch vor sich! Warum das Kind, warum nicht ich?“, fragen sich Mütter wie Väter. Es bleibt eine Wunde, die nicht wirklich heilt.

Ein Ort für die Trauer ist seit vielen Jahren der ökumenische Gottesdienst am Weltgedenktag für verstorbene Kinder. In der evangelischen Kirche in Euskirchen, Kölner Straße 41, wird er dieses Jahr am Sonntag, 11. Dezember 2016, um 16 Uhr gefeiert. Pfarrer Bernd Kehren gehört dieses Jahr zum ersten Mal mit zum Vorbereitungsteam. Er kennt die Not von Eltern aus eigener Erfahrung.

Der Schmerz hört nicht auf

Dass Männer und Frauen unterschiedlich trauern, belastet viele betroffene Paare. „Und dann sagte der Frauenarzt, das Herz schlägt nicht mehr …“, erinnert er sich. Seine Frau und er hatten doch beim letzten Mal im Ultraschall das schlagende Herz gesehen. Sie hatten sich ausgemalt, wie das Kinderzimmer aussehen könnte. Bernd Kehren hat das damals eher nüchtern gesehen, wie so viele Männer. Aber seine Frau hatte schon eine ganz andere Beziehung zum Leben, das da in ihr heran wuchs und nun keine Chance mehr hatte.

Pfarrer Kehren kennt diese Not auch aus seiner Praxis als Notfallseelsorger, wenn er Eltern am Unfallort betreuen muss oder die Polizei begleitet, die den Eltern die traurige Botschaft bringt. „Für die Eltern bricht eine Welt zusammen.“ Und er weiß: Viele Menschen verstehen nicht, warum die Trauer auch nach Jahren noch so heftig empfunden wird.

Orte für die Trauer

Bei Familie Kehren ist die glücklose Schwangerschaft jetzt schon fast 20 Jahre her. Inzwischen dürfen auch diese winzigen Kinder beerdigt werden. Sie können zum Beispiel einem Verwandten mit ins Grab gegeben werden. Ist dies nicht gewünscht oder möglich, sind die Krankenhäuser verpflichtet, eine Sammelbestattung zu organisieren. In Euskirchen geschieht dies zweimal im Jahr. „Schade, dass es das damals bei uns nicht gegeben hat“, sagt Pfarrer Kehren. „Es fließen viele Tränen, aber die Eltern haben einen Ort für ihre Trauer und für ihren Schmerz. Wir wussten damals gar nicht richtig, wohin damit.“

Auch der Gedenkgottesdienst ist ein Ort für den Schmerz. Jeden zweiten Sonntag im Dezember stellen betroffene Eltern und Angehörige um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster. So zieht eine weltweite Lichterkette um die ganze Welt. Alle, die mitmachen, wissen: „Wir sind nicht allein. Wir versuchen, unsere Leben zu meistern. Aber unsere Trauer gehört mit dazu.“ Die Vorstellung, Trauer hätte ein Ende, wäre für Pfarrer Kehren grausam: „Trauer ist Liebe. Wenn ich nicht mehr trauern dürfte, müsste ich die vergessen, um die ich trauere. Das kann ich nicht und das will ich nicht.“

Der Gottesdienst wird von betroffenen Eltern und den Gospel-Flames Odendorf vorbereitet. Der Chor hat vor einigen Jahren einer betroffene Mutter zur Seite gestanden und wird auch diese Feier mitgestalten. Nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit zu Austausch und Begegnung bei Tee und Gebäck im Forum.

Jedes Jahr am 2. Sonntag im Dezember stellen Betroffene rund um die ganze Welt brennende Kerzen in die Fenster. Jedes Licht im Fenster steht für das Wissen, dass diese Kinder das Leben erhellt haben und sie nie vergessen werden. Das Licht steht auch für die Hoffnung, die das Leben der Angehörigen nicht für immer dunkel bleiben lässt. Das Licht schlägt Brücken von einem betroffenen Menschen zum anderen, von einer Familie zur anderen, von einem Haus zum anderen, von einer Stadt zur anderen, von einem Land zum anderen. Es versichert Betroffene der Solidarität untereinander.

Weitere Informationen bei der Klinikseelsorge des Marien-Hospitals in Euskirchen:

Pfarrer Bernd Kehren, Telefon 02252/ 837 18 55
Kath. Klinikseelsorgerin Dorothea Grimm, Telefon 02251/ 90 – 1401

EB/gar