In Gottes Ohr

Jede Kerze ein Gebetsanliegen. Foto: Kathrin Müller

Vorsichtig zündet Simon (11) eine kleine Kerze an der großen Osterkerze an. Seine Mutter Kathrin Müller nimmt eine Karte aus dem Körbchen auf dem Altar und liest sie vor. Gut 15 Gebetsanliegen haben die Wachtberger Pfarrerin erreicht. Alle liest sie einzeln vor, ihr Sohn sorgt für die Kerzen. Kirchenmusikerin Regina Krull spielt zwischendurch Geige, Klavier oder Orgel.

Gebetsanliegen nennen Kathrin Müller und ihr Kollege Günter Schmitz-Valadier das Projekt. Wer mag, sendet per Mail eine Bitte. Die Gemeinde ist eingeladen, sonntags zu den gewohnten Gottesdienstzeiten um 9.30 Uhr und 11 Uhr zuhause ebenfalls eine Kerze anzuzünden, das Vaterunser zu sprechen, vielleicht eine Liedstrophe zu singen. In dieser Zeit bringen beide stellvertretend die Bitten in der Gnadenkirche in Pech und dem Gemeindehaus in Niederbachem vor Gott.

Konkret beten

Die Anliegen der Menschen sind ganz unterschiedlich. „Die einen schicken einen Liedvers, andere allgemeine Dank- und Bittgebete. Und dann haben wir auch ganz konkrete Bitten für einzelne, konkret benannte Menschen“, erzählt Pfarrerin Müller. Da kommt die Fürbitte für alle, deren Existenz bedroht ist, dass sie nicht daran verzweifeln mögen, sondern Hoffnung bewahren. Eine Frau bittet für ihre Eltern, ihre Freundin und deren zweijährigen Sohn, die alle besonders gefährdet sind. Jemand anders betet darum, „allen Ärzten und Ärztinnen, dem gesamten Pflegepersonal, der Polizei und Feuerwehr, allen Verkäuferinnen und Verkäufern und allen anderen Menschen, die zur Zeit für alle in ganz Deutschland, jeden Tag zur Arbeit gehen und ihre Gesundheit für uns riskieren, ganz viel Kraft und Motivation zu schenken“. Ein Mann dankt, dass er seine Familie um sich hat und alle noch vom Virus verschont sind.

Brennende Kerzen als Foto

„Auch wenn wir zurzeit nicht miteinander in unserer Kirche und unseren Gemeindehäusern Gottesdienst feiern können, so wollen wir doch miteinander im Gebet verbunden bleiben“, erklärt Kathrin Müller die Idee dahinter. Dafür hat sie die Bitten in einheitlicher Schrift ausgedruckt und auf Tonkarton geklebt. Vor dem Vorlesen beginnt sie mit Votum, Psalm und Bibellesung. Dann hat das kleine Team, zu dem auch Müllers Mann zählt, unter Glockengeläut ein Vaterunser gebetet und um den Segen gebeten. Von mehreren Menschen hat Kathrin Müller nach der Aktion Fotos von brennenden Kerzen bekommen. „Sie waren mit uns im Gebet verbunden. Das waren übrigens auch Menschen, die selbst keine Bitte geschickt hatten.“

Unter der Mailadresse gebetsanliegen@wachtberg-evangelisch.de können alle Ihre Gebete den beiden Seelsorgern zusenden. Ob ausformuliertes Gebet, Satzfragment oder nur ein Name – alles legen sie Gott ans Herz. Das funktioniert auch über den Briefkasten, per Post oder am Telefon: Pfarrerin Kathrin Müller: 0228 32 56 77 oder Pfarrer Günter Schmitz-Valadier 0228 34 73 82.