Bar-Mizwa & Konfirmation: Freude am Erwachsenwerden

Verantwortung übernehmen, erwachsen werden. Traditionen neu mit Leben füllen, Glauben feiern: in der Synagoge mit der Bar*Bat-Mizwa, in der Kirche mit der Firmung bzw. der Konfirmation.

Eine jüdische Stimme: Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg

Im Judentum gelten Mädchen mit 12 und Jungen mit 13 Jahren als erwachsen, das heißt, in der Lage, Verantwortung für das eigene religiöse Leben und für die Erfüllung der Gebote vor Gott und den Menschen zu übernehmen. Von diesem Zeitpunkt an werden sie als „Bar Mitzwah“ bzw. „Bat Mitzwah“, als „Sohn/Tochter der Verpflichtung“, betrachtet und sind selbst verantwortlich für das Halten der Gebote.

Erst seit dem Mittelalter begehen Jungen den Beginn dieser neuen Lebensphase mit einer Zeremonie, zu der das Rezitieren der Torah im Gottesdienst, ein Lehrvortrag und das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen) gehören. Von nun an werden sie zum Minjan, also des für bestimmte Gebete und Rituale notwendigen Quorums von zehn Männern, gerechnet. Für Mädchen bildeten sich erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts verschiedene Formen heraus, um die Bat Mitzwah zu feiern.

Die Vorbereitungen für die Bar/Bat Mitzwah ziehen sich bei Kindern je nach Vorwissen und Gemeindepraxis über ein bis drei Jahre hin. Im Gottesdienst legen sie zum ersten Mal ihren Tallit an und tragen den Wochenabschnitt der Torah ganz oder teilweise vor, meist in der traditionellen musikalischen Rezitationsweise. Dazu kommt noch die Haftarah, die Prophetenlesung, in Hebräisch oder in der Landessprache. Danach folgt eine kurze Predigt, manchmal wird auch ein Teil des Gottesdienstes vorgebetet. Daran schließt der Kiddusch, ein festlicher Imbiss, in der Gemeinde an und danach wird im privaten Rahmen mit Familie und Freundeskreis weitergefeiert.

Eine christliche Stimme: Prof. Dr. Stephan Leimgruber

Sowohl Judentum als auch Christentum kennen Rituale des Erwachsenwerdens und Zeichenhandlungen, welche die zivile und religiöse Mündigkeit zum Ausdruck bringen, aber auch die Einladung zum christlichen Zeugnis in der heutigen Welt und zur Mitarbeit in der Gemeinde.

In der römisch-katholischen Kirche ist die Firmung das Sakrament der Mündigkeit. Der Bischof verleiht und feiert die Gabe des Geistes unter Gebet und Salbung bzw. Handauflegung. Die Firmanden empfangen Gottes Geist. Sie erwidern den Friedensgruß und sind bereit, sich selbst mit ihren Charismen in den Dienst der Menschen zu stellen. Die Firmpat*innen unterstützen sie dabei, was sie mit der Hand auf der Schulter der Jugendlichen signalisieren.

In der evangelischen Kirche bekräftigen junge Menschen ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde, die zuvor mit der Taufe, meist im Säuglingsalter, geschehen ist. In der Konfirmanden-Zeit lernen die jungen Menschen die Grundlagen des christlichen Glaubens kennen, üben sich in christlicher Spiritualität ein und engagieren sich im Gemeindekontext. Nach dem Fest der Konfirmation sind sie eingeladen, ihren Weg des Glaubens in der Gemeinschaft anderer Christinnen und Christen weiter zu gehen und sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten in der Gemeinde einzubringen.

 

Purim und Karneval

Clowns, Ritter, Prinzessinnen, Monster, Hexen, Zebras, Hasen versammeln sich zu Purim in der Synagoge. Lappenmänner, Indianerinnen, Harlekins, Supermen, Löwinnen feiern Karneval.

Das jüdische Purim-Fest und der heidnisch-christliche Karneval sind gar nicht so weit auseinander. Das macht die Kampagne „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ deutlich. Purim feiert die Rettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung durch ein staatlich organisiertes Pogrom. Im Karneval werden herrschende Verhältnisse auf den Kopf gestellt, bis am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Auf das Leben – L’Chaim, Alaaf, Helau und auf das Leben!

Purim beginnt in diesem Jahr am 25. Februar. Heute ist Weiberfastnacht, das heißt, der Straßenkarneval würde beginnen, die Rosenmontagszüge vor Augen. Klar, Corona macht in diesem Jahr einen Strich durch alle Pläne.

Die Aktion „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ bezieht Stellung gegen Antisemitismus und ruft Gemeinsamkeiten zwischen Jüdinnen und Juden und Christinnen und Christen neu ins Bewusstsein. Man erkenne Gemeinsames, aber auch Unterschiede, sagte der Vorsitzende der allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschlands, Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama, bei der Vorstellung der Kampagne, an der er mitgewirkt hat. So lasse sich für das interessieren, was den anderen zu etwa gleicher Zeit bewege.

Ausführliche Texte stehen im Web bereit – sie laden ein, übereinander zu lesen und miteinander vertrauter zu sein. Nicht nur Purim und Karneval: „B’reschit beziehungsweise Im Anfang“ standen im Januar auf der Agenda. Pessach beziehungsweise Ostern folgen. Bar-Mizwa und Konfirmation sowie Firmung gehören zu den weiteren Begriffspaaren.

Mehr zu #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ unter juedisch-beziehungsweise-christlich.de